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Ökologischer Landbau "Staatsdomäne Frankenhausen"

Integration von Naturschutzzielen in den Ökologischen Landbau am Beispiel der
Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen

 

 

Auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen tut sich was für die Natur. Rebhuhn, Feldhase und Wachtel scheinen sich inzwischen auf dem 320 ha großen Betrieb sehr wohl zu fühlen. In der Vergangenheit war das keineswegs immer so.

Vor wenigen Jahren wurde auf dem konventionell arbeitenden Betrieb noch äußerst intensiv und viehlos gewirtschaftet. Durch die Umstellung der Wirtschaftsweise auf Ökologischen Landbau im Jahre 1998 - dem Jahr der Pachtübernahme durch die Universität Kassel – zeigte das neue Fruchtfolge-, Düngungs- und Pflanzenschutzmanagement nach ökologischen Kriterien bereits erste Erfolge.
Durch die ökologische Wirtschaftsweise konnte in Frankenhausen bereits eine Vielzahl von per-se-Effekten für den Naturschutz festgestellt werden, so z.B. die Erweiterung des Kulturartenspektrums durch den Feldfutteranbau für die inzwischen aufgebaute Milchviehherde.

Doch die vorhandenen Potentiale des 8 km nördlich von Kassel gelegenen Versuchs- und Lehrbetriebs sind - was eine optimierte naturschutzkonforme Gestaltung der bewirtschafteten Kulturlandschaft betrifft- noch lange nicht ausgeschöpft. Dies gilt vor allem für die Entwicklung von Landschaftselementen und höherwertigen Biotopen in der strukturarmen offenen Agrarlandschaft der Domäne Frankenhausen.
Aus diesem Grund wurde mit finanzieller Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz, des Landes Hessen und der Universität Kassel das Forschungsprojekt
„Die Integration von Naturschutzzielen in den Ökologischen Landbau am Beispiel der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen“ ins Leben gerufen.

Hauptziel des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens, an dem zahlreiche Wissenschaftler der Universität Kassel, die Mitarbeiter des Domänenbetriebs, ehrenamtliche Naturschützer und Behördenvertreter beteiligt sind, ist die Integration von naturschutzrelevanten Maßnahmen in das bestehende nachhaltige landwirtschaftliche Bewirtschaftungskonzept sowie die Untersuchung und Weiterentwicklung ihrer naturschutzfachlichen Wirkung.

Zunächst erfolgte 2001 im Rahmen einer Voruntersuchung die Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs. Durch die frühe Einbeziehung aller Interessengruppen bei der Entwicklung der Maßnahmen gelang es, sowohl die betrieblichen Interessen ausreichend zu berücksichtigen, als auch den landschaftsplanerischen und naturschutzfachlichen Ansprüchen Rechnung zu tragen.

Der Katalog, der u.a. konkrete Maßnahmen zur Anlage, Gestaltung und Pflege von Strukturelementen der Landschaft enthält, befindet sich aktuell in der Umsetzung.
Bereits jetzt durchziehen Blüh- und Erosionsschutzstreifen die Ackerflächen, die Feldvögeln, Hasen sowie anderen Wildtieren Nahrung und Deckung bieten. Veränderte, an den Ansprüchen von ausgesuchten Zielarten angepasste Bewirtschaftungsverfahren fördern z.B. Offenlandvogelarten, wie die Feldlerche und lassen der Kornrade und anderen Ackerwildkräutern Platz in der Feldflora. Von den Nützlingen, die an eine artenreiche Ackerbegleitflora gebunden sind, profitiert wiederum der ökologisch wirtschaftende Betrieb, der ohne chemisch-synthetischen Pestizideinsatz auskommen muss.

Bislang unterrepräsentierte Biotope sowie Grenzertragsstandorte werden auf den Flächen der Domäne im Zuge der weiteren Umsetzung des Maßnahmenkataloges etabliert bzw. erhalten. Hecken und Feldgehölze werden gepflanzt, die den Kühen des Betriebes Schatten und den Wildtieren Lebensraum bieten. Streuobstwiesen und Obstbaumreihen entlang der Wirtschaftswege werden nicht nur das Landschaftsbild bereichern, sondern zugleich vermarktungsfähige Früchte liefern.
Kleine Tümpel, Röhrichte und Feuchtgrünland entstehen im nahen Umfeld der Fließgewässer, um die Ansiedlung von Amphibien und anderen feuchtigkeitsliebenden Tieren und Pflanzen zu fördern. Defizitäre Lebensräume, wie die beiden die Domäne durchfließenden Bäche, werden im Zuge ihrer Renaturierung biotopvernetzende Wirkung entfalten.

Von einer erfolgreichen Umsetzung der Maßnahmen sind nicht nur die Wissenschaftler der Universität Kassel und die Mitarbeiter des Betriebes überzeugt. Auch die Hessische Landgesellschaft unterstützt als Vertreterin des Eigentümers Land Hessen das Vorhaben auf ganzer Linie. So werden Spaziergänger, Besucher und Kunden des Landwirtschaftsbetriebes in naher Zukunft eine vielfältig genutzte Kulturlandschaft erleben, in der sich auch Hase und Co wohlfühlen.
 

 

weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de/Frankenhausen/


Bilder zum Vergrößern anklicken mehrjähriger Blühstreifen neu angelegter Blühstreifen

Brutplatz der Feldlerche Feldhase

Reichstrukturierte Landwirtschaftsflächen bieten dem Feldhasen ausreichend Lebensraum. Vögel finden wieder geeignete Nistplätze.

Bilder zum Vergrößern anklicken

ökologische Vorrangfläche Selbstaussaat Kamille

 

Wildbeobachtung durch Studenten  

Fotos: Dr. J. Godt 2006